Manu 41 Jahre, Schreiner

Familie
Konsum

“Ich bin nicht glücklicher mit mehr Geld.”

Lesedauer 3 min.

Zürich // 20. Januar 2026

Früher hatte ich meine liebe Mühe mit Geld, ich musste ab und zu mal bei jemandem etwas ausleihen. Manchmal konnte ich auch eine Zeit lang nichts unternehmen, weil kein Geld da war.

Ich hatte es damals irgendwie nie geschafft, eine gesunde Beziehung zu Geld aufzubauen. Ich bekam einfach Geld und habs wieder - ziemlich schnell - ausgegeben und wartete dann halt wieder auf den nächsten Lohn. Als Jugendlicher und junger Erwachsener, hatte ich schon öfters noch das Gefühl, dass man unbedingt Geld haben müsse. Dass man bei allem mitmachen muss. Dass Geld wichtig ist, um in der Gruppe angesehener zu sein. Heute bedeutet mir Geld nicht mehr so viel, es ist Mittel zum Zweck. Man braucht es zum Leben, um sein Leben zu organisieren. Essen, Wohnen aber auch für Hobbys und Freizeit. Ich bin nicht glücklicher mit mehr Geld. Ich arbeite gerne, aber spare nicht auf irgendwelche Luxusgüter hin, das würde mich nicht zufriedener machen. Diese Einstellung hat sich aber auch erst so entwickelt mit der Zeit. Ich denke, ich hatte damals Probleme mit dem Thema, weil Geld für mich einfach irgendeine Zahl auf dem Konto war, etwas sehr Abstraktes. Ich habe mir eigentlich nie allzu viel Gedanken dazu gemacht. Das wurde dann schon irgendwann zum Problem. Als ich diverse Jobs hatte, z.B. im Service gearbeitet habe und auch mal arbeitslos war und gar kein Einkommen hatte, da hat es irgendwann mal „Klick“ gemacht. Da musste ich in der Familie Geld ausleihen. Ich war das dann ziemlich lange am Abzahlen.

Mir wurde plötzlich klar, dass es eben schon wichtig ist, etwas vorsichtiger mit Geld umzugehen. Ein Budget zu erstellen und ein regelmässiges Einkommen zu haben, also einen Job zu haben. Die ganze Situation, ohne Job, ohne Geld, nach Geld fragen müssen, das war schon sehr, sehr unangenehm. Geld hatte und hat für mich eigentlich nie eine mega wichtige Bedeutung, aber in der damaligen Situation wurde es wichtiger. Ich war mega froh, dass ich, zum Zurückzahlen dieser Schulden genügend Zeit hatte. Es kam kein Druck von aussen, dass dies möglichst schnell geschehen müsse. Das hat mir schon geholfen. Ich habe dann einen Dauerauftrag eingerichtet, welcher jeden Monat einen Teil zurücküberwiesen hat, sodass ich aber trotzdem noch genug Geld zum Leben hatte und nicht 3 Jobs gleichzeitig machen musste.
In meiner eigenen Familie kümmert sich vor allem meine Partnerin um die meisten finanziellen Angelegenheiten. Das ist so etwas, was ich immer vor mich hergeschoben habe, darum bin ich sehr froh, dass sie das macht und im Griff hat. Ich muss aber auch ehrlich sein, das hat sich einfach so irgendwie ergeben. Wir haben nun ein Haushaltskonto und wir beide zahlen unseren Teil darauf ein. Mittlerweile habe ich kein Problem mehr, über Geldthemen zu sprechen oder wie es um meine Finanzen steht. Es ist mir auch ein wichtiges Anliegen, meinen eigenen Kindern mitzugeben, dass Geld nicht einfach nur da und immer verfügbar ist. Dass gewisse Dinge auch geflickt werden können und nicht alles neu gekauft werden muss zum Beispiel.